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Lawinenkatastrophe in Galtür und Valzur
Im Paznauntal (Bezirk Landeck) kam es am 23. bzw. 24. Februar 1999 zu zwei folgenschweren Lawinenabgängen, die in Summe 38 Menschen das Leben kosteten. Dieser Bericht ist eine kurze Schilderung der Einsatztätigkeiten jener Feuerwehren, die nicht unmittelbar im Paznauntal stationiert sind (insbesondere der Feuerwehr Landeck) und mehr mit der Logistik der Hilfsmaßnahmen vertraut waren. Ein ausführlicher Bericht der betroffenen Feuerwehren folgt in einer der nächsten Ausgabe der Feuerwehrzeitschrift "BLAULICHT". Bevor wir jedoch die eigenen Tätigkeiten erläutern, möchten wir den betroffenen Verwandten und Bekannten der Lawinenopfer unser Beileid aussprechen. Im Vordergrund stehen nicht unsere oder die Leistungen der anderen Hilfsmannschaften, sondern das persönliche Leid und Schicksal der Betroffenen.
Situation am 23. Februar 1999,
17:00 Uhr:
Während wir am Dienstag, dem 23. Februar bereits wieder die Ausleuchtung
organisierten (aufgrund der Lebensmitteltransporte machten wir das jeden Tag seit dem
20.2.1999), erhielten wir um ca. 16:30 Uhr die Meldung von einer großen Lawine in
Galtür. Aufgrund der ersten Meldungen war die genaue Lage noch äußerst unklar und unter
der Leitung von Oberst Gerold Parth, dem Kasernenkommandanten Hauptmann Fritz Ölböck und
dem Einsatzleiter der Bundesheer-Flugstaffel wurde eine erste
Einsatzbesprechung um 17:00 Uhr abgehalten. Im Beisein der Vertreter von
Bezirkshauptmannschaft Landeck, Bergrettung, Rotem Kreuz, Gendarmerie, Notärzten und
Feuerwehr wurde aufgrund der spärlichen Meldungen aus Galtür die Lage besprochen und die
weitere Vorgangsweise vereinbart. Leider konnte aufgrund des Schneesturms an diesem Tag
kein Hubschrauber mehr starten, und die Hilfsmannschaften in Galtür waren auf sich
alleine gestellt. Über die Funkstation "Florian16" wurde von der Feuerwehr
Landeck mit der Feuerwehr Galtür "Florian Galtür" ab ca. 18:00 Uhr eine
Funkschiene aufbauen, die bis zum Samstag (z.T. während der ganzen Nacht) aufrecht blieb.
Diese Funkschiene wurde dann von Feuerwehr, Bezirkshauptmannschaft und Rotem Kreuz
(welches ebenfalls keine Funkverbindung mit ihren Leuten vor Ort aufbauen konnte) benutzt.
Aufgrund der Topografie im Bezirk Landeck ist eine direkte
Funkverbindung in die einzelnen Täler nur über "Funkumsetzer" (Relais)
möglich. Es wurde vereinbart, daß die ersten Hubschrauber mit Hilfsmannschaften
und Gerät am nächsten Tag um 06:45 Uhr starten werden. Während der Nacht müssen alle
Vorbereitungen getroffen werden. (Anmerkung: Falls im Laufe der Nacht ein Fliegen möglich
wäre, könnten jederzeit Hubschrauber mit Hilfsmannschaften, die in der Pontlatzkaserne
die Nacht verbrachten, starten). Während der Nachtstunden suchten die
Mitglieder der Feuerwehr Galtür vor Ort fieberhaft nach Überlebenden. der Katastrophe.
24. Februar 1999, 06:00 Uhr:
Die nächste Besprechung der Einsatzleitung fand am 24. Februar, um 06:00 Uhr in
der Kaserne statt. Während dieser Besprechung wurden bereits die Hubschrauber
flugtauglich gemacht und der Flugplatz von der Feuerwehr Landeck intensiv beleuchtet. In
der Nacht wurde intensiv gearbeitet und die Hilfsmannschaften vorbereitet. Oberst Parth
und Hauptmann Ölböck erklärten die weiteren Schritte und alle beteiligten
Organisationen stimmten ihre Aktivitäten aufeinander ab. Auf einer während der Nacht
ausgedruckten und in der Nacht adaptierten "Gefahrenzonenkarte",
die vom Raumplaner Architekt Falch zur Verfügung gestellt wurde, konnten alle
Einsatzleiter vom Ausmaß der Lawine informiert bzw. auf weitere Gefahren aufmerksam
gemacht werden. Die Rettungsmannschaften wurden während der Nacht auf die Hubschrauber
namentlich eingeteilt und den sogenannten "Lifts" (1 Lift bestand in der
Anfangsphase aus 6 Hubschrauber des Bundesheeres, Typ Augusta Bell) zugeteilt werden. Auf
diese Weise wurden von 06:45 bis 07:45
Uhr ca. 200 Personen (inkl. Lawinensuchhunden, Medizinschen Bedarf, Lawinensonden, usw.)
zur Hilfe nach Galtür geflogen werden (im laufe des Vormittags wurden ca. 400 Männer und
Frauen nach Galtür eingeflogen). Die
Schwerstverletzten wurden bereits um ca. 07:15 Uhr vom "Christophorus 5" des
ÖAMTC in das Krankenhaus Zams geflogen. Die zahlreichen Medienvertreter (ca. 300
Personen: Journalisten, Kameraleute, Fotographen, usw.) wurden vom
Bundesheerpressesprecher Major Thomas Schönherr ab dieser Zeit und auch die folgenden
Tage betreut und mit Informationen versorgt. (Anm.: Das Verhalten einiger Medienvertreter
war sicherlich Anlaß zum Ärgernis!)
24. Februar 1999, 16:15 Uhr:
Während die Hilfsmaßnahmen in Galtür auf
Hochtouren lauften platzte die Meldung einer zweiten Lawine in
Valzur mitten ins Geschehen. Aufgrund des ab 16:00 Uhr starken Schneefalles war es
auch diesmal nicht mehr möglich aus Landeck Hilfsmannschaften sofort vor Ort
einzufliegen. Zum Glück war noch ein Hubschrauber des Innenministeriums, da er aufgrund
des Schlechtwetters nicht mehr nach Landeck fliegen konnte, in Galtür gezwungen zu
bleiben. Der Pilot dieses Hubschraubers wagte trotz des äußerst schlechten Wetters den
Flug zwischen Galtür und Valzur (das sich ca. 5 km vor Galtür befindet) und brachte so innerhalb kürzester Zeit ca. 150 Mann der Hilfsmannschaften
von Galtür (inkl. Lawinenhunde und Ausrüstung) nach Valzur. Nur so war es
möglich, daß von 10 verschütteten Menschen noch 4 lebend aus den Schneemassen befreit
werden konnten.
24. bis 27. Februar 1999:
Da eine ausführliche Chronologie der Tätigkeiten an dieser Stelle zu viel Platz
in Anspruch nehmen würde, beschränken wir uns auf eine stichwortartige Aufzählung.
Diese Punkte betreffen die Organisation im Hintergrund, damit die Hilfsmannschaften vor
Ort effizient und schnell arbeiten konnten und alle Gerätschaften, Ersatzteile,
Verbrauchsstoffe so schnell wie möglich per Hubschrauber in Empfang nehmen konnten.
Ab dem 25. Februar haben die Meteorologen gutes Flugwetter vorausgesagt und bereits in der
Früh wurde mit der Evakuierung der Urlauber und Einheimischen aus besonders gefährdeten
Orten des Bezirkes Landeck begonnen. 47 Hubschrauber aus
Österreich, Deutschland, den USA, Frankreich und der Schweiz leisteten 782 Flugstunden,
absolvierten 2548 Landungen und transportieren 17.819 (!) Personen (Evakuierte
Personen und Hilfsmannschaften); zusätzlich wurden über 220 Tonnen Lebensmittel in die
abgeschnittenen Orte geflogen. Die Hilfeleistung erstreckte sich über das Kaunertal, das
Paznauntal, das Pitztal und das Stanzertal. Der Anteil der Hilfsmannschaften betrug dabei
mit dem Austausch ca. 3000 Menschen die ein- und ausgeflogen wurden! In der
Pontlatzkaserne in Landeck und der Verdroßkaserne in Imst wurden zuerst alle Personen
gesammelt, versorgt (tausende Essen wurden zubereitet bzw. ausgegeben) und registriert.
Darüber hinaus wurde durch Psychologen und Psychotherapeuten ein Kriseninterventionszentrum
in der Landecker Kaserne installiert, und sowohl die Angehörigen der Opfer als auch die
Hilfsmannschaften konnten ihre Hilfe in Anspruch nehmen (Psychologen waren auch bereits
mit den ersten Hilfsmannschaften nach Galtür geflogen worden). Botschaftsvertreter aus
Deutschland und den Niederlanden waren ebenfalls in Landeck anwesend, um Hilfe anzubieten.
Alle die sofort nach Hause weiterreisen wollten konnten in die bereitgestellten Postbusse
steigen und wurden mit diesen zu den Bahnhöfen Landeck und Imst gebracht. Die ÖBB
stellte mit fahrplanmäßigen und den Sonderzügen den Weitertransport in die Heimatorte
in ganz Europa zum Nulltarif sicher (die Urlauber mußten alle ihre Autos und teile ihres
Gepäckes in den Urlaubsorten belassen).
Einsatzleitung (in vielen Bereichen gab es natürlich eine Aufteilung der Zuständigkeiten innerhalb der Organisation):
Gesamteinsatzleiter |
BH Dr. Erwin Koler |
Bezirkshauptmannschaft Landeck |
Einsatzleiter |
Oberst Gerold Parth |
Bundesheer |
Einsatzleiter |
Mag. Werner Senn |
Alpingendarmerie |
Einsatzleiter |
Hauptmann Gerhard Niederwieser |
Gendarmerie, Bezirk Landeck |
Einsatzleiter |
Alois Kössler |
Rotes Kreuz, Bezirk Landeck |
Einsatzleiter |
LBD Reinhold Greuter |
Feuerwehr, Landesfeuerwehrverband Tirol |
Einsatzleiter |
Prim. Dr. Koller |
Leitender Notarzt, ÖAMTC-Hubschrauber |
Einsatzleiter |
Bernd Anker |
Bergrettung, Landesverband Tirol |
Pressechef |
Major Thomas Schönherr |
Bundesheer |
Tätigkeiten der Feuerwehr
im Bereich der Logistik:
In dieser Aufzählung sind die Feuerwehren aus dem
Paznauntal, die direkt bei den Rettungsmaßnahmen geholfen haben, nicht
inkludiert! In Summe haben sich 40 Feuerwehren
aus ganz Tirol in vielen Bereichen an diesen Maßnahmen beteiligt. Im Durchschnitt
waren über 450 Feuerwehrmänner pro Tag zum Teil von 04:30 bis 22:00 Uhr bei
den Hilfsmaßnahmen beteiligt. Die meisten dieser Männer haben sich während dieser
4 Tage unbezahlten Urlaub genommen! Während die Feuerwehren Galtür, Mathon und
Kaunertal vor Ort direkt an den Hilfsmaßnahmen maßgeblich beteiligt waren wurden
durch die anderen Feuerwehren (insbes. die Feuerwehr Landeck) folgendes durchgeführt
/ organisiert / zu den Hubschraubern transportiert:
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Zusammenfassend und im Rückbilck kann man feststellen, daß die Rettungs- und Evakuierungsmaßnahmen, die Organisation im Gesamten und vor allem die Zusammenarbeit der verschiedenen Organisationen und Behörden reibungslos und hervorragend klappte. Das Zusammenspiel der beteiligten Einsatzmannschaften funktionierte problemlos und beispielhaft.
Bildarchiv:
Für weitere Fragen steht Ihnen die Stadtfeuerwehr Landeck gerne zur Verfügung.